Eine Schrippe
für die Schrippenkirche

Was den Nordlichtern das Rundstück, den Bajuwaren die Semmeln, ist den Berlinern ihre Schrippe.
Fachlich gesehen ist es der mit dem Messer oder einem Stück Holz eingekerbte Brötchenteig, der im Verlaufe des Ausbackens und durch die Backtriebmittel (Hefe) entlang des Schnittes aufreißt.

Noch vor dem Pfannkuchen ist die Schrippe das wichtigste Backerzeugnis Berlins. Versucht sich der gemeine Berliner Bäcker als Konditor, rümpfen zugereiste aus anderen Landesteilen der Republik die Nase. Zentimeterdicker Zuckerguss verunstaltet allzu oft die trockenen, faden Törtchen und Teige.
Anders verhält es sich beim Graubrot oder eben: der Schrippe.
Ihre Qualität ist dem Berliner wichtig, geradezu heilig. Er mokiert sich über zu luftige, aufgeplusterte Schrippen und schätzt die schwere Ostschrippe.

Das eigentliche Wahrzeichen Berlins sollte nicht der Bär sein, sondern die Schrippe.

Eine Schrippe vor der Schrippenkirche erinnert an die Geschichte.
Vielen alten Berlinern ist die Kirche noch ein Begriff, als der Ort im proletarischen Wedding, wo man auch in kargen Zeiten etwas zu essen bekam.
Die Kirche ist verschwunden, der Name ist geblieben.

Erstaunlich ist die äußerliche Ähnlichkeit von gelblichem Sandstein und einer ausgebackenen, goldgelben und knusprigen Schrippe.
Wenn nur das Gewicht nicht wäre.
Sandstein ist fast dreimal schwerer als Wasser, viel schwerer als jede Ostschrippe.

Bei einer Schrippenlänge von 1,8 Metern, einer Höhe von 1,2 Metern und einer Breite von ca. 1,3 Metern wiegt sie ungefähr 6 Tonnen.

Berlin, im Juni 2005 Michael Spengler
Fotos: Aram Barthoff

Großer Block aus Seeberger Sandstein im stillgelegten Steinbruch von Velpke

Der Block aus Seeberger Sandstein im stillgelegten Steinbruch von Velpke bei Wolfsburg.

Schwerlasttransporter lädt Sandsteinblock auf dem Gelände der Kapelle der Versöhnung in Berlin ab

Ein Schwerlasttransporter hat ihn nach Berlin gebracht. Auf dem Gelände der Kapelle der Versöhnung wird er abgeladen.

Menschen betrachten Sandsteinblock und Modelle der Schrippen-Skulptur

Die Bewohner der Schrippenkirche schauen sich den Sandsteinblock an und begutachten die Modelle.

Beginnende Bearbeitung eines großen Sandsteinblocks für eine Schrippen-Skulptur

Damit eine Schrippe daraus wird, muss noch viel Stein abgearbeitet werden.

Große Steinbrocken werden mit Keilen vom Sandsteinblock abgespalten

Die ersten großen Brocken werden mit Keilen abgesprengt.

Erfolgreich gespaltenen Sandsteinblock nach Keilarbeit

Die Spaltung ist gelungen.

Obere Ecken eines Sandsteinblocks werden mit Keilen abgetrennt

Die oberen Ecken werden ebenfalls mit Keilen abgetrennt.

Rohform einer Schrippen-Skulptur aus Sandstein, noch unfertig

Noch sieht die Schrippe eher wie eine Kartoffel aus.

Vergleich zwischen Schrippen-Skulptur im Entstehen und einer echten Berliner Schrippe

Und immer wieder: der Vergleich mit dem Original. Es war allerdings nicht einfach, beim Bäcker die „typische“ Schrippe zu finden.

Aufgebockter Sandsteinblock zur Bearbeitung der Unterseite einer Schrippen-Skulptur

Damit die Schrippe auch von unten rund wird, musste die aufgebockt werden.

Fertige Schrippen-Skulptur aus Sandstein vor einer Werkstatt, umgeben von Roggenfeld

Die fertige Schrippe vor der Werkstatt. Um sie herum wächst das Roggenfeld.

Helfer ziehen eine große Schrippen-Skulptur aus Stein vor die Kapelle

Im August 2006 sind einige Helfer/Innen aus Europa für das erste Probeziehen eingetroffen. Die Schrippe soll ca. 40 Meter von der Werkstatt vor die Kapelle gezogen werden.

Menschen bewegen eine große Sandstein-Schrippe mit Brechstangen über ein Feld

Es stellt sich heraus, dass mit zehn Leuten die Schrippe schwer zu bewegen ist. Aber mithilfe von Brechstangen und einigen kanadischen Touristen gelingt es, den Sandstein über das abgeerntete Feld zu ziehen.

Große Sandstein-Schrippe steht vor der Kapelle der Versöhnung in Berlin

Vor der Kapelle der Versöhnung ist für ein Jahr Zwischenstation.

Große Sandstein-Schrippe wird über den Postenweg weitergezogen

Im September 2007 geht die Schrippe wieder auf Wanderschaft. Da sie einen großen Wendekreis hat, wird sie zuerst den Postenweg hinaufgezogen.

Helfer bewegen eine große Sandstein-Schrippe, eine Person legt Rollen nach

Es sind genug Helfer gekommen. Den gefährlichsten Job hat der, der die Rollen nachlegen soll.

Große Sandstein-Schrippe wird über den Postenweg bergab gezogen

Die Schrippe hat die Richtung geändert und wird den Postenweg nach unten gezogen.

Bremskeil sichert eine rollende Sandstein-Schrippe beim Transport

Sehr wichtig ist der Bremskeil, denn 5 rollende Tonnen hält keiner mit der Hand auf…

Große Sandstein-Schrippe an der Bernauer Straße mit Zuschauern in Berlin

Die Schrippe ist an der Bernauer Straße angekommen. Es sind immer mehr Menschen geworden, die sich das Spektakel anschauen.

Große Sandstein-Schrippe wird nach Pause unter Polizeibegleitung über die Bernauer Straße bewegt

Nach einer Verschnaufpause geht es weiter. Die Polizei stoppt den Verkehr an der Bernauer Straße.

Straßenbahn hält an, während eine große Sandstein-Schrippe über die Bernauer Straße transportiert wird

Auch die Straßenbahn hält an.

Große Sandstein-Schrippe wird schnell über eine Straße transportiert

Ein heikler Abschnitt: über die Straße sollte es schnell gehen.

Große Sandstein-Schrippe wird schnell über eine Straße transportiert

Die Bernauer ist überquert.

Große Sandstein-Schrippe hat die Bernauer Straße erfolgreich überquert

Auf der anderen Seite biegt die Schrippe in die Ackerstraße ein.

Große Sandstein-Schrippe biegt in die Ackerstraße in Berlin ein

Fast angekommen. Jetzt muss die Schrippe nur noch auf den Betonsockel.

Detail der Sandstein-Schrippe mit Bezug zur historischen Schrippenkirche

Ein Detail im Stein und eine Reminiszenz an die alte, abgerissene Schrippenkirche.