Gespaltener Findling mit geöffneten Hälften und vergoldetem Inneren – Grabmal für Jürgen Henze

Ein denkwerk für Jürgen Henze

Jürgen Henze wurde in den letzten Kriegstagen im Berliner Wedding geboren. Im Alter von zehn Jahren wurde eine Tuberkulose bei ihm diagnostiziert und er wurde, wie es damals üblich war, auf eine Isolierstation eingewiesen. Die zwei Jahre, die er dort abgeschieden von seiner Familie und Freunden verbringen musste, haben ihn geprägt: Er hat danach nie wieder einen Arzt konsultiert oder das Krankenhaus aufgesucht und keiner kann heute mehr sagen, ob der Herzfehler, mit dem er dann doch so lange gelebt hatte, hätte behoben werden können.
Als Mensch war er wenig konform. In der Zeit der Studentenrevolten lebte er in einer Kommune und war politisch interessiert. Das blieb er auch. Besonders interessierte ihn das 3. Reich und die Rolle der Kirche in dieser Zeit.
Er lernte Tischler aber später tauschte er mit seiner Frau die Rollen: Er blieb zu Hause und kümmerte sich um die Tochter, den Haushalt und das Essen.
Von der Statur her eher klein und kräftig, galt er innerhalb seiner Familie als uneitel und ehrlich.
 
Das Ausgangsmaterial de denkwerkes für Jürgen Henze ist ein Findling. Er wurde bei Straßenbauarbeiten im märkischen Sand gefunden, an der Bernauer Straße, im Berliner Wedding.
In der Geschiebemasse des Gletschers der vorletzten Eiszeit wurde er von Skandinavien aus bis nach Berlin geschoben und diese lange Reise hat ihm zugesetzt.
Seine Oberfläche ist rau, abgestoßen und verletzt aber äußerlich kompakt.
In alter Handwerkstechnik wurde der Stein mit Keilen gespalten. Dabei hatte sich gezeigt, dass das Gefüge des Granites in seinem Inneren wesentlich mehr geschädigt war, als es von Außen her hätte erwarten lassen.
In beide Spalthälften sind Schalen eingearbeitet, die vergoldet wurden.
Wie eine geöffnete Muschel wurden die beiden Hälften zusammengefügt und geben den Blick frei auf den goldenen Schein, der dort leuchtet, wo das Wichtigste fehlt…

Idee und Ausführung

denkwerk in Zusammenarbeit mit der Lebensgefährtin

Material

Sandstein und V4 A Stahl

Aufgestellt

am 04.04.2006 auf dem Waldfriedhof an der Heerstraße in Berlin

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