Ein denkwerk für Kristina

Kristina war ein sehr lebhafter und extrovertierter Mensch. 
Sie war kein Mädchen mehr, sondern eine junge Frau, die neugierig war und viel ausprobieren wollte. 

Eines Tages war sie an die falschen Menschen geraten.  
Die Tatsache, dass sie an den Drogen starb, die ihr diese Menschen gaben, war eine Tragödie, aber noch schwerer zu ertragen war das, was danach mit ihrem toten Körper geschah…

Das war nicht zu fassen, für ihre Familie nicht und für ihre vielen Freunde nicht.

Das denkwerk für Kristina ist nicht auf Dauerhaftigkeit angelegt. 
Es ist ein grob mit der Kettensäge bearbeitetes Brett aus Fichtenholz. Nach oben hin wird es feiner und am Ende ist es dunkelrot bemalt. Auf dem Rot steht ihr Vorname und auf der Rückseite sind zwei vergoldetet Flügel…

Die Form des Brettes geht auf die alte Tradition der „Totenbretter“ zurück. Vor dem 30 jährigen Krieg wurden darauf die Verstorbenen zu Hause aufgebahrt und auf ihnen auch zum Friedhof getragen. Anschließend wurde das Brett zur Markierung der Grabstelle am Ort belassen. 

Auf diesem Brett konnten Nachrichten hinterlassen werden, auf denen sich Kristinas Freunde und Verwandte über die Unfassbarkeit ihres Todes austauschten.

Ein Jahr später war die Zeit gekommen, dieses temporäre Zeichen durch ein anderes, dauerhafteres zu ersetzen.

Es ist aus Marmor gearbeitet und ähnelt zwei Händen, die etwas umschließen und festhalten wollen. Zwischen den beiden Stelen ist eine Glaskugel eingeklemmt und hält sie auf Abstand. Die Hände gehen auf und formen ein offenes Herz.
In die Glaskugel einglasert ist ein Schmetterling, das Symbol des Unsteten, der Verwandlung…

Auf den beiden Innenseiten des Marmors ist ein Spruch eingearbeitet, der nur lesbar ist, wenn man ganz nahe an den Stein herantritt:

WENN LIEBE EINEN WEG ZUM HIMMEL FÄNDE UND TRÄNEN STUFEN WÄREN, DANN STIEGE ICH HINAUF UND HOLTE DICH ZUÜCK. 

Provisorischer Grabstein aus Holzbrett mit roter Spitze und Schriftzug
Marmorgrabmal in Form von zwei Händen mit Glaskugel und Schmetterling

Idee und Ausführung

denkwerk, Michael Spengler in Zusammenarbeit mit der Mutter

Material des temporären denkwerkes

Fichtenholz

Material des jetzigen denkwerkes

Türkischer Marmor (Mugla White) und Glas

Aufgestellt

im Mai 2008 auf dem Luisenstädtischen Friedhof an der Bergmannstraße in Berlin-Kreuzberg

Weitere denkwerke

Grabmal „Ein denkwerk für André Krüger“ als Holzkreuz aus Eiche in seiner Umgebung von Michael Spengler

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In seiner Jugend sympathisierte André mit den Ideen und Zielen der RAF. Studiert hatte er dann Psychologie. Oft warf ihn eine tiefe Traurigkeit nieder.

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Sandstein-Stuhl mit Inschrift „Leitschnur Eures Handelns sollte Lebensfreude sein“ – Grabmal Jürgen Linke

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Jürgen Linke war ein sozial sehr engagierter Mensch. Als Pädagoge und Psychologe arbeitete er viel mit arbeitslosen Jugendlichen, bis er sich der „systemischen Familientherapie“ zuwandte. Er hielt Vorträge, gab Seminare und wurde von vielen wegen der passenden Bilder und Metaphern, die er dabei erfand, geschätzt.

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Kubus aus Eisen mit aufgeschweißtem Kreis und fragmentarischem Kreuz – Grabmal Jan van Dijk

Ein denkwerk für Jan van Dijk

Im Alter von 58 Jahren tauschte der in Rotterdam geborene Jan van Dijk seinen Anzug und Aktenkoffer gegen Pinsel und Palette ein. Er wollte sich fortan nur noch der Kunst widmen und „neue Ziele ohne Erfolgszwang“ anstreben.
Zielgerichtet und experimentierfreudig suchte er nach neuen künstlerischen Lösungen in der Malerei und in Objekten.

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Aufeinandergeschichtete Findlinge mit eingravierten Buchstaben und Zahlen – Grabmal für Ruven Ray

Ein denkwerk für Ruven Ray

Nach dem Tod des 6 Monate alten Ruven Ray geriet alles durcheinander: Das Leben mit all seiner scheinbaren Ordnung.

Das denkwerk für Ruven Ray nimmt Bezug auf diese Unordnung.
Sein Name und seine Lebensdaten sind auf 32 Findlingen verteilt. Jeweils ein Buchstabe oder eine Zahl steht auf jedem Stein. Das Symbol für seine Geburt ist eine aufgehende Sonne und das seines Todes die untergehende.

Die Steine sind zu einem scheinbar wirren Haufen aufeinander geschichtet.
Sie bedecken Ruven Rays Grab, wie einst die Steine auf den Gräbern unserer jagenden Vorfahren die Toten davor geschützt haben, von wilden Tieren ausgegraben zu werden.

Eines Tages vielleicht, wenn die Wunde, die durch Ruven Rays Tod aufgerissen wurde, verheilt ist, werden die Steine dem Sinn ihrer Buchstaben und Zahlen nach geordnet werden können.

Und nur die Narben werden bleiben…

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Grabstelle mit Bodenrelief aus vielen Steinen und spiralförmiger Gestaltung – Denkwerk Stefan Lühle

Ein denkwerk für Stefan Lühle

Eigentlich hätte Stefan Lühle gerne Musikwissenschaft studiert. Er spielte selber klassische Gitarre, liebte die Oper und vor allem Wagner.
Gearbeitet hatte er dann als Rechtsanwalt für Bau- und Vergaberecht. Seine Doktorarbeit schrieb er über das bundesdeutsche Umweltrecht.
Insbesondere die „großen Fälle“ gefielen ihm. Es machte ihm Freude, sich in komplizierte Sachverhalte hineinzudenken.

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Grabmal aus Eichenbalken in Form einer Rune mit Metalleinfassung – Denkwerk Christina Heyne

Ein denkwerk für Christina Heyne

Christina Heyne war ein musikalischer und sehr kommunikativer Mensch.
Sie spielte Geige und sang im Chor.

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