Die Auswahl des Materials

Die Auswahl des passenden Materials ist eine wichtige und zugleich schwierige Aufgabe. Stein und Holz kommen in Betracht aber auch andere, dauerhafte Materialien, wie Glas, Blei, Eisen, Blattgold, Kupfer, Bronze und sogar einige Kunststoffe. 

Als gelernter Steinmetz weiß ich um den Charakter und die Eigenheiten der unterschiedlichsten Steine.

So ist Granit, ähnlich wie Gold, mit menschlichen Zeitvorstellungen kaum fassbar und tendiert nach unserer Wahrnehmung zur Ewigkeit. In der besonderen Form des Findlings finden wir ihn auf den Wiesen und Feldern Norddeutschlands. Nach der letzten Eiszeit und einer langen Reise von Skandinavien aus kommend ist er hier liegen geblieben. Die Reise hat ihm zugesetzt. Er ist mehr oder weniger rund abgeschliffen und zerfurcht. Aber wenn man ihn spaltet, ist er im Inneren frisch und klar.  Er könnte für einen Menschen passen, den das Schicksal ungefragt durch die Welt geschoben hat, der aber in seinem Inneren fest und stabil geblieben ist. 

Marmor kommt ursprünglich aus dem Meer und hat das unvergleichliche Tiefenlicht, was an sensible Haut erinnert. Wenn man ihn poliert wird er sehr eitel und oberflächlich. 

Der Kalkstein in Europa ist in der Jura- Zeit entstanden, eine Zeit vor 150 Millionen Jahren, als der Kontinent auf der Höhe Nordafrikas lag. Er trägt noch Spuren des Lebens von einst wie Muscheln, Ammoniten, Donnerkeile und, wenn man Glück hat, einen ganzen Archeopterix. Seine Geschichte lässt uns demütig vor der Zeit und dem einstigen Leben werden.

Sandstein war ursprünglich etwas ganz anderes und hätte viel zu berichten. Eine Bergspitze etwa, bis diese abbrach und auf dem Weg den Fluss herunter fein zermahlen wurde, um am Ende neu zusammengepresst und verbacken zu werden.

Nicht jede Bearbeitungsart ist gut für den Stein. Die Werkzeugspuren des Zahn- oder Spitzeisens können Form und Verlauf hervorheben. Eine Maschinenpolitur hingegen bringt den Stein um seine Schatten und damit um seine ganze Form.

Mehr als Stein symbolisiert Holz Veränderung und Verwandlung. Es ist weniger statisch aber auch ‚dickköpfiger‘. Nie darf gegen seine Maserung verstoßen werden. Man muss es überlisten, möchte man es dauerhafter machen. 

Blei, Kupfer oder auch Holz können mit Stein kombiniert werden. Als Restaurator habe ich gelernt, welche Verbindungen dauerhaft sind und wie die Oberflächen behandelt werden müssen, damit sie im Laufe der Jahre schöner werden, weil sie eine Patina ansetzen, anstatt kaputt zu gehen…

denkwerke – individuelle Grabmale

Grabmal „Ein denkwerk für André Krüger“ als Holzkreuz aus Eiche in seiner Umgebung von Michael Spengler

Ein denkwerk für André Krüger

In seiner Jugend sympathisierte André mit den Ideen und Zielen der RAF. Studiert hatte er dann Psychologie. Oft warf ihn eine tiefe Traurigkeit nieder.

Mehr erfahren

Sandstein-Stuhl mit Inschrift „Leitschnur Eures Handelns sollte Lebensfreude sein“ – Grabmal Jürgen Linke

Ein denkwerk für Jürgen Linke

Jürgen Linke war ein sozial sehr engagierter Mensch. Als Pädagoge und Psychologe arbeitete er viel mit arbeitslosen Jugendlichen, bis er sich der „systemischen Familientherapie“ zuwandte. Er hielt Vorträge, gab Seminare und wurde von vielen wegen der passenden Bilder und Metaphern, die er dabei erfand, geschätzt.

Mehr erfahren

Kubus aus Eisen mit aufgeschweißtem Kreis und fragmentarischem Kreuz – Grabmal Jan van Dijk

Ein denkwerk für Jan van Dijk

Im Alter von 58 Jahren tauschte der in Rotterdam geborene Jan van Dijk seinen Anzug und Aktenkoffer gegen Pinsel und Palette ein. Er wollte sich fortan nur noch der Kunst widmen und „neue Ziele ohne Erfolgszwang“ anstreben.
Zielgerichtet und experimentierfreudig suchte er nach neuen künstlerischen Lösungen in der Malerei und in Objekten.

Mehr erfahren

Aufeinandergeschichtete Findlinge mit eingravierten Buchstaben und Zahlen – Grabmal für Ruven Ray

Ein denkwerk für Ruven Ray

Nach dem Tod des 6 Monate alten Ruven Ray geriet alles durcheinander: Das Leben mit all seiner scheinbaren Ordnung.

Das denkwerk für Ruven Ray nimmt Bezug auf diese Unordnung.
Sein Name und seine Lebensdaten sind auf 32 Findlingen verteilt. Jeweils ein Buchstabe oder eine Zahl steht auf jedem Stein. Das Symbol für seine Geburt ist eine aufgehende Sonne und das seines Todes die untergehende.

Die Steine sind zu einem scheinbar wirren Haufen aufeinander geschichtet.
Sie bedecken Ruven Rays Grab, wie einst die Steine auf den Gräbern unserer jagenden Vorfahren die Toten davor geschützt haben, von wilden Tieren ausgegraben zu werden.

Eines Tages vielleicht, wenn die Wunde, die durch Ruven Rays Tod aufgerissen wurde, verheilt ist, werden die Steine dem Sinn ihrer Buchstaben und Zahlen nach geordnet werden können.

Und nur die Narben werden bleiben…

Mehr erfahren

Grabstelle mit Bodenrelief aus vielen Steinen und spiralförmiger Gestaltung – Denkwerk Stefan Lühle

Ein denkwerk für Stefan Lühle

Eigentlich hätte Stefan Lühle gerne Musikwissenschaft studiert. Er spielte selber klassische Gitarre, liebte die Oper und vor allem Wagner.
Gearbeitet hatte er dann als Rechtsanwalt für Bau- und Vergaberecht. Seine Doktorarbeit schrieb er über das bundesdeutsche Umweltrecht.
Insbesondere die „großen Fälle“ gefielen ihm. Es machte ihm Freude, sich in komplizierte Sachverhalte hineinzudenken.

Mehr erfahren

Grabmal aus Eichenbalken in Form einer Rune mit Metalleinfassung – Denkwerk Christina Heyne

Ein denkwerk für Christina Heyne

Christina Heyne war ein musikalischer und sehr kommunikativer Mensch.
Sie spielte Geige und sang im Chor.

Mehr erfahren